S02 Zum Alphabet

Die Spiritus

  1. Das Westgriechische (hier eine Landkarte dazu) bezeichnete den anlautenden Hauchlaut mit dem alten Zeichen H, dem Ηῆτα (Heta). Da die lateinische Schrift aus dem Westgriechischen entwickelt wurde (s. die rechten Spalten auf der Seite Alphabet), übernahm sie auch das Zeichen H für den Hauchlaut, wie wir es heute noch in unserer lateinischen Schrift kennen.
  2. Das Ionische kannte keinen Hauchlaut. Das Zeichen H war also frei für andere Verwendung; und man nutzte es für das lange e. So wurde hier aus dem Ηῆτα  das Ἦτα.
  3. Das Attische, mit dem Ionischen verwandt, übernahm nach Beschluss der Athener im Jahre 403 die ionische Schrift mitsamt dem ἦτα für das lange e. Aber hier im attischen Dialekt wurde der Hauchlaut noch gesprochen. Für ihn musste nun ein neues Zeichen gebildet werden. Man half sich, indem man das H senkrecht durchteilte. Die linke Hälfte bezeichnete den Hauchlaut vor dem anlautenden Vokal, die rechte den Vokal ohne Hauchlaut.
  4. Diese Schreibweise wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Gelehrten der Bibliothek in Alexandria zusammen mit den Akzenten für die gesamte Griechisch sprechende Welt kanonisch, allerdings schrieb man noch immer in Majuskeln (Großbuchstaben).
  5. Erst im 9. nachchristlichen Jahrhundert, als sich das wissenschaftliche Zentrum nach Byzanz verlagert hatte, entwickelte man dort die Minuskeln (Kleinbuchstaben), und die kleinen Haken zur Bezeichnung des Wortanlauts mit oder ohne Hauchlaut: 
    - den Spiritus asper, z. B. ἑστία,
    - und der Spiritus lenis, z.B. οἶκος oder ἄλφα.

    Der Spiritus steht seitdem vor dem Akut oder Gravis und unter dem Zirkumflex.

Die Diphthonge und das ιsubscriptum

  1. Diphthonge mit υ
    - αυ - gesprochen: a-u bzw. dt. au - z. B. αὐλή
    - ου - gesprochen: o-u oder dt. ū - z. B. μουσική
    - ευ - gesprochen: e-ü oder dt. eu - z. B. εὕρηκα (ich habe es gefunden)
    -
    ηυ - gesprochen: ä-ü oder dt. eu - z. B. ηὑρήκη(ich hatte es gefunden)
  2. Diphthonge mit ι
    - αι - gesprochen: a-i bzw. dt. ei - z. B. παιδαγωγός
    - οι - gesprochen: o-i bzw. dt. eu - z. B. οἶκος
    - ει - gesprochen: e-i, nicht dt. ei - z. B. εἰρήνη
    - υι - gesprochen: ü-i - z. B. υἱός(Sohn)
  3. Das ιsubscriptum ist ein nicht mehr gesprochenes ιnach langem Vokal
    - z. B.
    ζῷον, ᾄδειν(singen), τῇμουσικῇ(der Musik)
    - Als  
    ιadscriptum steht es nach Majuskeln, z.B. Ἇιδης(Hades)

Die Satzzeichen

  • Der Punkt (.) und das Komma (,) werden wie im Deutschen gebraucht.
  • Der Hochpunkt, das Kolon, (·) vertritt unseren Doppelpunkt und auch unser Semikolon.
  • Das Fragezeichen (;) wird durch den Strichpunkt wie unser Semikolon gebildet.